Bank warnt Wohnungseigentümer vor Essener Hausverwalter

Essen/Ruhr Das kontoführende Institut eines Rüttenscheider Hausverwalters sah sich aufgrund besonderer Vorkommnisse gezwungen, Eigentümergemeinschaften schriftlich davor zu warnen, diesem Verwalter die Alleinverfügungsvollmacht über die Gemeinschaftsgelder der Eigentümerverbände zu belassen.

Die Bank weigerte sich für die Zukunft kategorisch, Geldverfügungen durch den Verwalter ohne zweite Unterschrift auszuführen, von regelmäßigen Abbuchungen wie beispielsweise an das RWE oder die Stadtwerke abgesehen.

Das Schreiben an die Eigentümer lautet wie folgt:

11. Dezember 2008

Wohnungsverwaltungskonto

Sehr geehrte …,

aufgrund besonderer Vorkommnisse lassen wir bis auf die nachfolgend genannten Ausnahmen aus vorliegenden Lastschrifteinzügen zugunsten z. B. RWE, Strom- u. Wasserkosten und ähnliche Abbuchungen keine Verfügungen mehr auf dem in unserem Hause geführten WEG-Konto Herrn V mit der Konto-Nr. 00 zu.

Wir bitten Sie, zur Verhinderung von Nachteilen für Ihre WEG-Gemeinschaft, uns kurzfristig einen Beschluss Ihrer WEG-Gemeinschaft vorzulegen, wer zukünftig neben Herrn V. als Bevollmächtigter von dem Konto allein oder zusammen mit Herrn V. verfügen kann.

Bitte beachten Sie, dass ohne Vorlage des Beschlusses zukünftig neben den oben genannten Ausnahmen keine Verfügungen mehr zugelassen werden.

Wegen näherer Auskünfte und Hintergründe für diese Vorgehensweise wenden Sie sich bitte an Herrn V.

Da wir nicht alle Eigentümer Ihrer Gemeinschaft kennen, bitten wir Sie, diese entsprechend zu unterrichten.

Mit freundlichen Grüßen

Es liegt auf der Hand, dass eine Bank nicht ohne triftigen Grund zu einer so drastischen Maßnahme greift, sondern gravierende Vorfälle vorliegen müssen.

Der Verwalter, um dessen Kontenführung, oder genauer ausgedrückt, um dessen Verhalten bei der Verwaltung von Fremdgeldern als treuhänderischer Vermögensverwalter es hier geht, war bereits zuvor mehrfach durch äußerst fragwürdige Verwaltungspraktiken aufgefallen.

  • Das Amtsgericht Essen hat ihn Anfang des Jahres 2007 von der Verwaltung einer Eigentümergemeinschaft in Essen-Altendorf abberufen. Gründe hierfür waren neben anderen Pflichtverletzungen:Über vier Jahre hat der Verwalter die gesetzlich vorgeschrieben Eigentümerversammlungen nicht einberufen. Weiterhin hatte er sich hartnäckig geweigert, die fälligen Jahresabrechnungen vorzulegen. Zum Zeitpunkt seiner Abberufung durch das Gericht standen die Hausgeld-Abrechnungen für fünf Jahre aus.
  • Die Staatsanwaltschaft Essen hat bereits zweimal gegen den Verwalter ermittelt. Ein Verfahren wurde im Oktober 2005 gemäß § 153 StPO mit der Begründung eingestellt, ein öffentliches Interesse an einer Strafverfolgung liege „wegen Geringfügigkeit” nicht vor.
  • Im Dezember 2007 erhob die Staatsanwaltschaft Essen dann doch Anklage gegen den Verwalter, und zwar wegen Untreue in 57 Fällen. Diesmal lehnte die zuständige Strafrichterin des Amtsgerichts Essen die Eröffnung des Hauptverfahrens im März 2008 ab.

Von den Strafverfolgungsbehörden unbehelligt konnte der Verwalter sein Verhalten fortsetzen, bis dem kontoführenden Institut im Dezember 2008 das Haftungs- und Schadensrisiko offensichtlich zu groß wurde und die Bank daher zu der völlig ungewöhnlichen und drastischen Selbsthilfemaßnahme griff und weitere Ausführungen von Verfügungen des Herrn V. ohne zweite Unterschrift schlichtweg ausdrücklich verweigerte.

In der Folge des „Rundschreibens” der Bank verlor der Verwalter die Verwaltung zahlreicher Objekte.

Bild: © S. Hofschlaeger/pixelio


Es ist allen betroffenen Eigentümergemeinschaften anzuraten, die Bankbelege des WEG-Kontos nach Erhalt genauestens auf ungewöhnliche Buchungen zu überprüfen, und zwar für mehrere Jahre zurück!

Bei einer von dem betreffenden Verwalter ehemals verwalteten Wohnungseigentümergemeinschaft ist aus den Kontoauszügen zu ersehen, dass dort bereits ab dem Jahr 2003 zum Teil wiederholt vierstellige Beträge für die Dauer von mehreren Monaten bis zu Jahren von dem Konto der Eigentümergemeinschaft entfernt und auf ein Konto der Ehefrau des Verwalters überwiesen wurden.

Möglicherweise handelt es sich hier nicht um einen Einzelfall, sondern um eine systematische Vorgehensweise bei der Verwaltung der Fremdgelder.

Ein Verwalter ist bereits gemäß § 27 Abs. 5 S. 1 WEG verpflichtet, eingenommene Gelder von seinem Vermögen getrennt zu halten. Es bleibt abzuwarten, zu welchem Ergebnis die Strafverfolgungsbehörden im Hinblick auf das Verhalten des Verwalters dieses Mal gelangen werden.

Hinterlasse eine Antwort