Parabolantenne auf dem Dach muss geduldet werden

D ie Beklagte, eine Eigentümerin polnischer Herkunft mit deutscher Staatsbürgerschaft, brachte an einem Geländer vor einem Fenster ihrer Wohnung eine Parabolantenne an, weil sie polnischsprachige Fernsehprogramme empfangen wollte. Die Eigentümergemeinschaft verlangte erfolglos die Entfernung der Antenne und verklagte die Eigentümerin auf Entfernung der Parabolantenne. Die Eigentümerin verlor das Verfahren in allen drei Instanzen. Nach Auffassung des BGH hatte die Eigentümerin kein Recht, die Parabolantenne an ihrem Fenster anzubringen, weil durch die Parabolantenne das ästhetische Interesse der übrigen Miteigentümer beeinträchtigt würde.

Antennen auf dem Dach

Bild: © Paul-Georg Meister/pixelio

Jedoch kann die beklagte Eigentümerin polnischer Herkunft verlangen, dass die übrigen Wohnungseigentümer der Anbringung einer Parabolantenne auf dem Dach des Hauses oder im Dachbereich zustimmen, wie der Senat des BGH feststellte. Denn dort würde eine Beeinträchtigung nachhaltig geringer ausfallen als vor dem Wohnungsfenster.

Fundstelle(n):
BGH – Urteil vom 13.11.2009 – V ZR 10/09  Volltext als pdf-Datei hier

Leitsatz

  1. Die Verpflichtung der Wohnungseigentümer, die Anbringung einer Parabolantenne an dem gemeinschaftlichen Haus zu dulden, ist nicht von der Staatsbürgerschaft des Miteigentümers abhängig, der die Antenne angebracht hat.
  2. Voraussetzung, eine Antenne anbringen lassen zu dürfen, ist die Zustimmung der Wohnungseigentümergemeinschaft. Dieser steht das Recht zu, den Ort der Anbringung zu bestimmen.


BGH, Urteil vom 13.11.2009 – V ZR 10/09Volltext als pdf-Datei hier
vorhergehend:
LG Frankfurt/Main, 12.11.2008 – 2/13 S 19/08

Aus der Entscheidung

Entscheidungsgründe:

I.

Das Berufungsgericht meint, durch den Beschluss vom 18. Juni 2007 habe die Beklagte nicht zur Entfernung der Antenne verpflichtet werden können. Der Beschluss habe die Klägerin jedoch ermächtigt, die Ansprüche der Wohnungseigentümer auf Entfernung der Antenne gerichtlich geltend zu machen.

Der Anspruch sei auch begründet, weil die Antenne den gepflegten Eindruck des Gebäudes störe, die Beklagte und ihre Angehörigen auf ihre polnische Staatsangehörigkeit verzichtet hätten und damit auf die Möglichkeit des Empfangs der beiden polnischsprachigen Sender verwiesen werden könnten, die über das Breitbandkabel zu empfangen seien.

II.

Das hält im Ergebnis der rechtlichen Nachprüfung stand. Die Klägerin kann von der Beklagten die Entfernung der Antenne verlangen.

1. Auch wenn der Bestand des Gebäudes durch die Anbringung der Antenne nicht berührt wird, bedeutet das Handeln der Beklagten einen Eingriff in das gemeinschaftliche Eigentum, den die Wohnungseigentümer ohne ihre Zustimmung nicht hinzunehmen brauchen (Senat, BGHZ 157, 322, 326). Nach § 1004 Abs. 1 BGB, §§ 14 Nr. 1, 15 Abs. 3 WEG können die übrigen Miteigentümer die Beseitigung der Parabolantenne verlangen. Zur Geltendmachung ihres Anspruchs haben sie die Klägerin durch den Beschluss vom 18. Juni 2007 wirksam ermächtigt (vgl. Senat, BGHZ 116, 332, 335; Beschl. v. 30. März 2006, V ZB 17/06, NJW 2006, 2187 Rdn. 12).

2. Die Voraussetzungen des Anspruchs sind auch im Übrigen gegeben.

a) Entgegen der Meinung des Berufungsgerichts braucht die Beklagte sich zwar nicht auf den Empfang der beiden in das Breitbandkabel eingespeisten Sender verweisen zu lassen. Dass sie und ihre Familienangehörigen ihre polnische Staatsangehörigkeit aufgegeben und die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen haben, schränkt den Schutz des Informationsinteresses der Beklagten durch Art. 5 Abs. 1 GG nicht ein (VerfGH Berlin GE 2007, 1178). Das gilt auch für die Wirkungen der Grundrechte im Privatrecht. Das Interesse der Beklagten, von polnischen Fernsehsendern über die Ereignisse aus dem näheren Bereich ihres früheren Heimatlands unterrichtet zu werden, ist offensichtlich (vgl. BGH, Urt. v. 16. November 2005, VIII ZR 5/05, NJW 2006, 1062, Rdn. 1, 25 ff.).

b) Dieses Interesse führt dazu, dass die übrigen Wohnungseigentümer der Beklagten den Empfang der per Satellit ausgestrahlten polnischen Programme ermöglichen müssen.

aa) Der Anspruch der Beklagten hierauf geht jedoch weder dahin, dass die Beklagte hierzu eine Antenne an das Geländer vor dem Fenster ihrer Wohnung anbringen kann, noch dahin, dass ihr hierzu kein weiterer Aufwand zugemutet werden dürfte (BVerfG NZM 2005, 252; OLG Frankfurt NZM 2005, 427, 428).

Das ästhetische Interesse der übrigen Miteigentümer und das Informationsinteresse der Beklagten sind vielmehr gegeneinander abzuwägen. Die Klägerin verweist hierzu auf die Möglichkeit, die Antenne im Dachbereich des Gebäudes anzubringen. Dadurch werde der ästhetische Eindruck des Gebäudes weniger beeinträchtigt. Diese Möglichkeit wird von dem unter Sachverständigenbeweis gestellten Vortrag der Beklagten nicht ausgeschlossen, der Empfang der per Satellit ausgestrahlten Programme sei nur mit einer Antenne möglich, die vor dem Fenster ihrer Wohnung angebracht sei.

Das ist offensichtlich unzutreffend. Die Beklagte hat vorgetragen, zum Empfang der über einen Satelliten ausgestrahlten Fernsehprogramme dürfe zwischen dem Satelliten und der Antenne kein Hindernis bestehen. Aus welchem Grund diese Voraussetzung entfallen könnte, wenn die Antenne im Bereich des Dachgeschosses angebracht wird, ist nicht erkennbar.

bb) Die Abwägung führt dazu, dass die Beklagte verlangen kann, dass die übrigen Wohnungseigentümer der Anbringung einer Parabolantenne auf dem Dach des Hauses oder in dessen Dachbereich zustimmen. Diese Feststellung kann der Senat treffen. Von den Parteien sind Fotografien des Gebäudes vorgelegt worden. Weiterer Vortrag hierzu kommt nicht in Betracht. Die ästhetische Beeinträchtigung des Gebäudes ist bei einer Anbringung der Antenne im Dachbereich oder auf dem Dach nachhaltig geringer als durch die von der Beklagten vorgenommene Anbringung der Antenne vor einem Fenster ihrer Wohnung.

Die Duldungspflicht der Miteigentümer führt jedoch nicht dazu, dass die Beklagte ohne deren Zustimmung berechtigt wäre, die zur Anbringung der Antenne notwendigen Arbeiten am Dach des Hauses vornehmen zu lassen. Den Miteigentümern ist es vielmehr vorbehalten, den konkreten Ort im Dachbereich des Gebäudes zu bestimmen, an dem die Antenne angebracht werden darf (Senat, BGHZ 157, 322, 328).

III.

Die Kostenentscheidung folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO.

Anmerkungen

Der BGH hat aufgezeigt, dass die gegegensätzlichen Interessen der Eigentümer gegeneinander abzuwägen sind (Schutz des Eigentums gegen den Schutz der Informationsfreiheit). So billigte er den Eigentümern, die die Beseitigung der Parabolantenne forderten, einen Anspruch dahingehend zu, dass das gepflegte Gebäude weitgehend von optisch nachteiligen Veränderungen verschont bleibt und entschied, dass die Antenne dort zu entfernen sei.

Auf der anderen Seite stellte der BGH fest, dass die beklagte Eigentümerin aber einen Anspruch darauf habe, die gewünschten Fernsehprogramme zu empfangen, und dass dieser sich aus Art. 5 Abs. 1 GG ergebene Schutz des Inforamtionsinteresses nicht aufgrund der Aufgabe der polnischen Staatsangehörigkeit eingeschränkt werden kann. Hier verpflichtete der BGH die übrigen Eigentümer dazu, der beklagten Miteigentümerin den Empfang der per Satelllit ausgestrahlten polnischen Programme zu ermöglichen, indem die Parabolantenne auf dem Dach des Hauses oder im Dachbereich angebracht wird.

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